Memory in Rot. Vierzehn Auftritte – 11.07.2023 bis 5.11.2023, Ziegel oh Lac
Bilder
Technik: Öl auf Transparentpapier
Format: A0 (Plakat)
Zu meiner Arbeit
«erinnerungen tauchen auf. noch scheinen sie blass. bewusst wähle ich in meinen bildern starke farben, um den zwischenraum von vergangenheit und gegenwart zu überbrücken. im jetzt! schreit das grelle gelb, das leuchtende rosa, das knallige blau, das kräftige weiss. es ist mir plötzlich, als wäre es heute.»
Kathrin Fuhr, im November 2023
Ausschnitte aus «Memory in Rot, Vierzehn Auftritte» 2021/2022
auftritt drei: pagode
rot der himmel über der pagode. die äste eines baumes züngeln. es brennt. nach langen zugfahrten erreiche ich dangshan. es ist vier uhr morgens. ich sichte eine kleine hütte und trete ein. eine kanne mit dampfendem, kochendem tee tut wohl. ein lausiges bett überbrückt die stunden bis yanfang kommt. es ist chinesisch neujahr. viermal habe ich die einladung abgewiesen, beim fünften mal sagte ich zu. rot der himmel über der pagode. die morgenstimmung. es ist bitterkalt. doch der himmel brennt.
auftritt neun: zeitung
dunkle und helle schlagzeilen. manchmal auch rote. wobei die dunklen dominieren. die welt ist aus den fugen geraten. dreitausend zeichen muss man intus haben um die zeitung lesen zu können. ich bin gerade mal bei tausend. für die entschlüsslung der welt braucht es noch zweitausend. doch die wahrheit liegt oft nicht im geschriebenen. sie liegt irgendwo in einem bild, wo die kiefer ihre arme ausstreckt in diese leere und der himmel die unendlichkeit beschreibt.
INSIDE OUTSIDE IN BETWEEN – 12.05.2023 bis 20.05.2023, Kunstsichtbar
Bilder
Technik: Öl / Gravur in Linoleum / Filzstift und Faden auf Pauspapier unterlegt mit Papier
Format: DIN A3
Bilder
Technik: Filzstift auf Pauspapier unterlegt mit Papier
Format: DIN A3
Zu meiner Arbeit
Über einen längeren Zeitraum hinweg besuchte ich das archäologische Museum in Zürich, um die Abgüsse im Keller zeichnerisch zu erforschen. Je länger ich eine Skulptur beobachtete, desto lebendiger wurde sie und mir kam die Idee, dieses Erlebnis künstlerisch umzusetzen. Ich verwendete Faden, Linoleum und Pauspapier und wählte die Farbe Blau um diesen Effekt zu erzielen.
Zugleich besuchte ich Kurse im Aktzeichnen. Das meditative Ruhende der Modelle inspirierte mich zu einem kantigen Strich, so dass die Figur wie aus Stein gemeisselt scheint.
Ich suche also im Skulpturalen das Lebendige und im Lebendigen das Skulpturale.
Das Zeichen Yin-Yang soll mein Werk begleiten.
Kathrin Fuhr, im Mai 2023
ausruhender hermes
mir das dunkle von der seele schreiben. hermes! bote der götter! komme und sehe! ich schreibe! mein brief verwandelt sich in einen schwan: in einen dunklen und schönen gefalteten papierschwan. ich sitze auf dem sand am meer und nehme ihn zur hand. ich lasse ihn auf dem wasser tanzen. perlmuttern glitzern die reflexe auf der oberfläche. mein blick schweift über das wasser hin zum horizont. fluten schlagen plötzlich wellen. ich trete ein. es öffnet sich der traum: farbige fische und bunte quallen begleiten mich. ich bin auf der suche: auf der suche nach dem dunklen und schönen schwan. hermes! mit deinen flügelschuhen wirst du ihn finden! gut lesbar werden die buchstaben sein und aufgefaltet die nachricht den göttern übergeben werden.
satyr und hermaphrodit
so hatte ich einen zirkus im kopf. die manege in der linken hirnhälfte. das publikum in der rechten hirnhälfte. clowns und seiltänzer treten auf. auch löwen und affen. das grosse fest danach satyr! reichlich wein wird genossen. der zirkus in meinem kopf. hermaphrodit betritt die manege. frau und mann. ein paukenschlag. der auftritt. der abgang. stille.
mein kopf ist wieder leer.
sogenannter ilioneus
stolze erscheinung! ilioneus! wenn auch ohne beine und ohne arme. mit deiner drehung nach rechts und deiner neigung nach links gewinnst du an dynamik. ich erhebe den blick gen himmel. türkisblau schimmert die luft über dem horizont. den kopf in den wolken siehst du mich. seher! deine sinne sind stark.
Venezia! Serenissima! – 2023, Ausstellung silhquai253
Bilder
Technik: Moosgummidruck
Format: DIN A3
wie zerbrechlich bist du! stark ist deine vergangenheit! in nebel gehüllt die brücke von rialto. fahl das licht. wo einst farbiger und reger handel betrieben wurde, überschwemmen nun kitschige und billige touristenstände die gegend. dem orient warst du zugewandt. hoch zu schiff eroberste du die welt. geblüht hast du wie eine rose, deren blätter nun trocken und staubig zu boden fallen. du hast die welt atmen lassen mit deinen künsten. immer auch den tod im nacken. s. maria della salute: eine erinnerung an die pestzeit. auch die hast du überstanden. fein durchziehen deine kanäle die stadt wie ein netz. schiffe schaukeln im lichten wasser. du! die stadt der augen! wie verzauberst du mich! stattliche paläste. verwunschene gärten. der löwe, das tier der stadt, der über allem wacht. das offene meer. salzig die luft. venezia! bleibe stark!
Jahresausstellung der Bündner Künstlerinnen und Künstler – 11.12.2022 bis 29.01.2023, Bündner Kunstmuseum Chur
Werke aus «Memory in Rot. Vierzehn Auftritte».
Bilder
Technik: Öl / Gravur in Linoleum / Filzstift und Faden auf Pauspapier unterlegt mit Papier
Format: DIN A2
Dazwischen – 25.11.2021 bis 05.12.2021, Photobastei, Zürich
Drei Städte – 16.02.2019 bis 24.02.2019, Material, Zürich
Bilder
Technik: Gravur in Linoleum, Öl
Masse: 32 cm x 42 cm
DIALOG (MONET-ICH)
„ich fühle mich wie in einem traum – die ankunft in venedig, was für eine schöne empfindung, die gefühle beruhigen sich – es ist als wäre ich in einem märchen.“
männer und frauen tanzen durch die luft. wie das wetter ziehen sie an meinem fenster vorbei. mein herz ist ein schmetterling, der gegen meine brust flattert – mein hirn ist ein knäuel aus krabbelnden ameisen. ich sehe mich im wasser wie in einem spiegel. die wellen zerschlagen mein bild.
„die tage vergehen schnell und einer ist so schön wie der andere. die einzige sache, die mich beunruhigt ist, dass die leinwände von monet nicht kommen, ich habe angst, dass die intensiven eindrücke verblassen könnten und er nie zu arbeiten beginnt.“
die gassen von venedig brennen manchmal wie kunstfeuer in mir. nachts befinde ich mich plötzlich in einem schiff voller nebel, das mir den atem nahm und mir die präsenz meines körpers vergessen liess…vielleicht kann man sagen, dass sich am nullpunkt die extreme treffen, dass da wo die vollkommene leere ist plötzlich die grosse fülle aufkommt.
während ich am strand entlang ging und diesen traum erzählte, wurde er plötzlich real.
„da in venedig ist es so heiss wie am tag unserer ankunft. es macht mir einzig sorgen, dass monet nicht mehr die ursprüngliche energie und seinen enthusiasmus findet. das schlechte wetter zwang ihn pausen einzulegen, zudem haben sich seine motive verändert.“